Im Sommer zählen die Kornaten zu den faszinierendsten Segelrevieren Kroatiens. Doch was geschieht eigentlich, wenn die Charteryachten in ihre Heimathäfen zurückgekehrt sind, die meisten Konobas ihre Saison beendet haben und der Trubel des Sommers nachlässt? Dann zeigt sich eine andere Seite der Inselwelt – eine, die viele Urlauber kaum kennen.
Die Kornaten im Winter – wenn das Inselparadies zur Ruhe kommt
Wer die Kornaten im Juli oder August besucht, kennt das Bild: Segelyachten gleiten zwischen den Inseln hindurch, in den Buchten liegen Katamarane vor Anker und aus den kleinen Konobas duftet es nach frisch gegrilltem Fisch. An den Stegen werden Festmacher angenommen, in den Cockpits klirren die Gläser und überall herrscht dieses besondere Gefühl von Sommer, Meer und Freiheit.
Doch irgendwann kommt der Herbst. Die Zahl der Besucher nimmt ab, die Liegeplätze werden leerer und viele saisonale Restaurants schließen. Wo vor wenigen Wochen noch über die nächste Segelroute diskutiert wurde, sind nun häufiger nur der Wind und das Wasser zu hören. Die Kornaten verändern ihren Rhythmus. Und mit ihm verändert sich ihre Atmosphäre.
Wem gehören die Kornaten eigentlich?
Was viele Segler nicht wissen: Die Kornaten sind keineswegs einfach nur unbewohnte Inseln in staatlichem Besitz. Die Landflächen des Nationalparks befinden sich weitgehend in Privatbesitz. Laut Nationalparkverwaltung leben rund 90 Prozent der Eigentümer auf der nahe gelegenen Insel Murter. Die Geschichte dieser Besitzverhältnisse reicht weit zurück. Schon über Jahrhunderte wurden die Kornaten als Weideland genutzt. Im 19. Jahrhundert gingen zahlreiche Grundstücke durch Kauf an Familien aus Murter, Betina und Zaglav über.
Noch heute zeugen die unzähligen Trockensteinmauern von dieser Vergangenheit. Auf der Insel Kornat allein erstrecken sie sich über rund 260 Kilometer. Im gesamten Nationalpark sind es nach Angaben der offiziellen Tourismusinformationen ungefähr 330 Kilometer. Die Mauern wurden von Hand errichtet, ohne Mörtel oder andere Bindemittel. Sie dienten unter anderem dazu, Weideflächen voneinander abzugrenzen und zu verhindern, dass Schafe auf fremde Grundstücke gelangten.
Die mit den Kornaten eng verbundenen Menschen von Murter werden heute noch Kurnatari genannt. Für sie sind diese Inseln weit mehr als ein beliebtes Urlaubsziel. Sie sind Teil ihrer (Familien-)Geschichte und ihrer Heimat.
Wem gehörten die Kornaten ursprünglich?
Im Mittelalter gehörten die Inseln zum Herrschaftsbereich der Stadt Zadar. Die Stadtverwaltung verpachtete große Flächen an Adelige und Kaufleute aus Zadar, vor allem zur Schafhaltung. Unter venezianischer Herrschaft gingen im 15. Jahrhundert umfangreiche Landflächen in Privateigentum über. Die neuen Eigentümer waren insbesondere wohlhabende Familien aus Zadar. Diese bewirtschafteten die Inseln nicht selbst, sondern ließen dort Hirten arbeiten und verpachteten Weideflächen. Die Vorfahren vieler heutiger Eigentümer waren damals also noch keine Grundbesitzer.
Ab dem 17. Jahrhundert übernahmen Menschen aus Murter und Betina zunehmend die Bewirtschaftung der Kornaten. Dafür gab es mehrere Gründe. Auf Murter war landwirtschaftliche Fläche knapp, während die Bevölkerung unter anderem durch die Fluchtbewegungen infolge der osmanischen Kriege angewachsen war. Gleichzeitig waren die Kornaten für ihre damaligen Eigentümer schwieriger zu bewirtschaften geworden. Piratenüberfälle und unsichere Verhältnisse hatten zur Aufgabe bisheriger Nutzungen beigetragen.
Die Familien von Murter und Betina übernahmen als Pächter die Weidewirtschaft und begannen, sich dauerhaft wirtschaftlich mit den Inseln zu verbinden. Eine Besonderheit: Der Nationalpark nennt für 1654 den Murteraner Pfarrer Don Ive Skračić als ersten namentlich bekannten Pächter von Kornaten-Weideland aus Murter. Frühere Kontakte sind ebenfalls dokumentiert.
Was passiert auf den Inseln im Winter?
Während der touristischen Saison werden zahlreiche Häuser, Anlegestellen und Konobas regelmäßig genutzt. Mit dem Herbst wird es deutlich ruhiger. Viele touristische Betriebe sind saisonabhängig. Eigentümer und Familien bleiben jedoch auch außerhalb der Sommersaison mit ihren Grundstücken verbunden. Olivenanbau, die traditionelle Schafhaltung und die Pflege der Gebäude gehören zur Nutzung dieser besonderen Kulturlandschaft.
Allerdings hängt auf den Kornaten vieles vom Wetter ab. Bei ruhiger See ist eine Überfahrt von Murter mit einem geeigneten Boot (meist die traditionellen Gajetas mit ihrem flachen Rumpf) bequem möglich. Wenn dagegen die Bura kräftig über die Inseln weht oder der Jugo hohe Wellen aufbaut, kann eine Fahrt zu den abgelegenen Inseln schwierig und gefährlich werden. Wer hier draußen ein Haus oder Grundstück besitzt, muss mit Bedingungen zurechtkommen, die sich deutlich vom Leben auf dem Festland unterscheiden.
Wenn die Konobas Winterpause machen: Viele Chartergäste verbinden bestimmte Buchten mit einer besonderen Konoba. Vielleicht erinnert man sich an einen Abend mit frischem Fisch, an eine ausgesprochen herzliche Gastgeberfamilie oder an den Sonnenuntergang, den man beim letzten Glas Wein beinahe verpasst hätte. Was während des Sommers so selbstverständlich erscheint, ist auf den Kornaten mit einem erheblichen organisatorischen Aufwand verbunden.
Lebensmittel und andere Waren müssen über das Meer transportiert werden. Die Versorgung mit Wasser und Energie stellt auf abgelegenen Inseln besondere Anforderungen. Meist laufen irgendwo im Hintergrund Generatoren, um den benötigten Strom für die Bewirtschaftung und die Boote/Yachten der Gäste zu erzeugen – aber der dafür benötigte Diesel kommt vom Festland und muss den gleichen, teils beschwerlichen Weg auf die Inseln zurück legen, wie die Besitzer der Konobas auch. Mit dem Ende der Hauptsaison schließen viele Restaurants für die Wintermonate. Wann sie wieder öffnen, hängt vom jeweiligen Betrieb ab.
Die Häuser und kleinen Anlegestellen bleiben zurück. Sie erinnern daran, dass hier während der warmen Monate ein ganz anderes Leben herrscht.
Die Natur übernimmt wieder die Hauptrolle
Im Winter zeigen die Kornaten manchmal ein völlig anderes Gesicht. Das Meer ist nicht immer türkisblau und spiegelglatt. Dunkle Wolken ziehen über die Inseln, der Wind pfeift durch die schmalen Durchfahrten und die Wellen brechen sich an den steilen Felsküsten. An ruhigen Tagen dagegen kann eine beinahe unglaubliche Stille über der Inselwelt liegen.
Besonders eindrucksvoll sind die sogenannten Kronen der Kornaten. Diese steilen Felswände befinden sich vor allem auf den dem offenen Meer zugewandten Seiten einiger Inseln. Auf Klobučar erreichen sie eine Höhe von rund 80 Metern über dem Meeresspiegel. Unter Wasser setzen sich manche dieser Felsformationen noch viele Meter in die Tiefe fort. Es ist eine Landschaft, die bei strahlendem Sonnenschein wunderschön aussieht, bei kräftigem Wind aber auch ihre raue und unberechenbare Seite zeigt.
Ein Nationalpark, der niemals wirklich schläft: Der Nationalpark Kornati wurde am 13. August 1980 gegründet. Nicht immer waren alle Inselbesitzer damit eins. Damals gehörte auch das Gebiet der heutigen Telašćica zum Nationalpark. 1988 wurde es ausgegliedert und zum eigenständigen Naturpark erklärt. Nach einer weiteren Grenzanpassung im Jahr 1997 umfasst der Nationalpark heute 89 Inseln, Inselchen und Felsen.
Nicht nur die Inseln selbst stehen unter Schutz, sondern auch große Teile des umgebenden Meeres. Die Kornaten sind ein besonderer Lebensraum und gleichzeitig eine über Jahrhunderte von Menschen geprägte Kulturlandschaft. Die Trockensteinmauern, alten Häuser und Weideflächen erzählen davon, wie mühsam das Leben auf diesen kargen Inseln früher gewesen sein muss. Und auch heute sind Naturschutz und traditionelle Nutzung eng miteinander verbunden. Die bekannten Kornati-Schafe weiden in Ruhe auf den steilen Flächen, auch Ziegen und manchmal auch wilde Katzen trotzden den winterlichen Bedingungen.
Der Schutz dieser einzigartigen Landschaft endet natürlich nicht mit dem Ende der Segelsaison.
Mehr als 650 Pflanzentaxa wurden bislang dokumentiert, darunter neun Orchideenarten. Früher waren Teile der Inselwelt von Steineichenwäldern bedeckt. Durch jahrhundertelange Beweidung und landwirtschaftliche Nutzung verwandelte sich die Landschaft in die heute typischen steinigen Weideflächen. Zwischen den Kalksteinen wachsen dennoch zahlreiche mediterrane Pflanzen. Besonders im Frühjahr lässt sich entdecken, wie lebendig diese vermeintlich kahle Landschaft ist. Die Pflanzenwelt ist zudem ungewöhnlich zusammengesetzt: Hier treffen Florenelemente des östlichen und westlichen Mittelmeerraums aufeinander, ergänzt durch endemische Arten.
Die Tierwelt der Kornaten ist erstaunlich vielfältig. In den Gewässern des Nationalparks wurden rund 185 Fischarten und 61 Korallenarten nachgewiesen. Besonders wertvoll sind die ausgedehnten Seegraswiesen, die zahlreichen Meerestieren Nahrung und Schutz bieten. Mit etwas Glück lassen sich sogar Delfine und Meeresschildkröten beobachten. An den steilen Felsküsten leben Wanderfalken und Krähenscharben, während Uhus vor allem nachts aktiv sind. Zwischen den Steinen und Trockensteinmauern finden Eidechsen, Schlangen und zahlreiche Insekten ihren Lebensraum. Auch seltene und endemische Arten kommen vor. Die Kornaten sind deshalb weit mehr als eine beeindruckende Felslandschaft: Sie bilden einen empfindlichen, artenreichen Lebensraum, der besonderen Schutz verdient.
Und dann kommt der Frühling
Irgendwann werden die Tage wieder länger. Die Vorbereitungen für die neue Saison beginnen. Boote und Anlegestellen werden kontrolliert, Gebäude hergerichtet und die ersten Betriebe bereiten sich darauf vor, ab April wieder Gäste zu empfangen. Nach und nach öffnen die Konobas. Die ersten Segelyachten erscheinen in den Buchten und aus der winterlichen Stille wird wieder sommerliches Leben.
Dann kommen auch die Chartergäste zurück. Manche zum ersten Mal, andere schon seit vielen Jahren. Vielleicht betrachten wir die Kornaten beim nächsten Besuch aber ein wenig anders, wenn wir wissen, was sich hinter den alten Steinhäusern, den unzähligen Trockensteinmauern und der Geschichte ihrer Bewohner verbirgt. Denn diese Inselwelt ist nicht nur eine wunderschöne Kulisse für unseren Segelurlaub. Sie ist auch Heimat, Familiengeschichte und das Ergebnis jahrhundertelanger Arbeit.
Und während wir im Winter schon von unserem nächsten Segeltörn träumen, dürfen sich die Kornaten ruhig noch ein wenig ausruhen. Im nächsten Frühjahr kommen wir wieder.
Segelinformationen:
Entfernung ab Marina Rogoznica: Nationalpark: ca. 22 Meilen. Marina Piskera ca. 30 Meilen.
ACI Marina Piškera: Telefon: +385 98 398 845 | E-Mail: m.piskera@aci-club.hr | UKW-Funk: Kanal 17 | Liegeplätze: 118, Maximale Yachtlänge 30 m | Saison: 1. April bis 31. Oktober – Reservierung über MySea mit Code aus Ihrer Bordmappe möglich.
Laut ACI das Tagesticket für den Nationalpark Kornati im regulären Tagesliegeplatzpreis der Marina enthalten. Das sollten Gäste vor der Buchung für ihren Aufenthalt nochmals anhand der aktuellen Tarifbedingungen prüfen. Ansonsten sollte man das Ticket vorab bei den Shops oder online kaufen, es ist dann ca. 40% billiger als vor Ort im Nationalpark.